Air
Old Truagh
Auch bekannt als:
Sean Truag, Ye Trugh
Die Melodie (die in der parallelen Molltonart beginnt und im Dur endet) wurde vom Belfaster Musiker und Sammler Edward Bunting in seinem Werk Ancient Music of Ireland (1796 und 1809) veröffentlicht. Er hatte sie vom Harfenisten Charles Byrne aus dem County Leitrim (1712–ca. 1810) gesammelt, der sie beim Belfaster Harfenfestival gespielt hatte, wie die Belfast Northern Star vom 15. Juli 1792 berichtet; deren Korrespondent war bei dem Wettbewerb anwesend, an dem in jener Woche zehn Harfenisten teilnahmen. Unter dem Titel „Ye Trugh“ war die Melodie bereits 1724 in Dublin von den Neals veröffentlicht worden. Die moderne Harfenistin und Harfenforscherin Ann Heymann (1992) schreibt, dass die Melodie sehr beliebt gewesen sei und in zahlreichen instrumentalen und vokalen Varianten existierte.
Byrne war für Bunting die Quelle mehrerer Carolan-Melodien und verfügte über einen reichen Schatz an Geschichten. Arthur O’Neill (1734–1818), ein blinder Harfenist, der ebenfalls beim Belfaster Harfenfestival spielte und zu den letzten der alten wandernden Harfenisten gehörte, erwähnt die Melodie in seinen Memoiren. Als junger Mann bereiste er Irland mehrfach und berichtete von Begegnungen mit anderen berühmten Harfenisten:
Ich traf einen Charles Byrne, der von seinem Onkel zum Harfenisten ausgebildet worden war. Man mag mich für zu streng halten, wenn ich in meinem Bericht über die irischen Harfenisten das Wort „tol-lol“ gebrauchte. Andere mögen dasselbe über mich sagen, doch der Mann hatte, da er nicht blind war, viele Vorteile gegenüber jenen, denen das erste aller Geschenke – das Augenlicht – fehlte. Da er außerdem ein passables Gedächtnis besaß, konnte er alles berichten, was ihm während der Zeit widerfahren war, in der er seinen blinden Onkel durch das Königreich führte. Ich muss daher seine Biografie beenden und ihn als einen tol-lol bezeichnen (d. h. einen mittelmäßigen Spieler). Ich weiß aus eigener Erfahrung und aus zuverlässiger Überlieferung, dass er eine gute Auswahl echter irischer Lieder spielen und singen konnte, in ansprechender Weise und mit einer angenehmen Stimme.
Die Melodie und das Lied „Old Truagh“ wurden in Crosby’s Irish Musical Repository (London, 1808, S. 160–161) gedruckt. Der Text beginnt:
Die Sonne tauchte ihren zögernden Strahl in die Welle,
und taufeuchte Himmel beweinten das Schwinden des Tages,
als die Klänge des Kampfes dem Ohr entschwanden.
Da flog über die Heide die weißbusige Schöne,
ihr Haar wehte frei in der anschwellenden Brise,
und ihr dunkel rollender Blick sprach von der Seele der Verzweiflung.
Keine Träne blieb in ihrem Auge, kein Seufzer entwich ihrer Brust,
während rings um sie mancher Held in der Ruhe lag,
und der blutgesättigte Rabe sich von seinem Mahle zurückzog.
Vergleiche die Melodie „Old Truagh“ mit „O Aranmore Loved Aranmore“ und anderen Varianten dieser Melodienfamilie (einige enger verwandt als andere), die Francis O’Neill als Varianten derselben betrachtete [1].
Gedruckte Quellen:
- Bunting (Ancient Music of Ireland), 1796; Nr. 11, S. 7.
- Clinton (Gems of Ireland: 200 Airs), 1841; Nr. 98, S. 49.
- P. M. Haverty (One Hundred Irish Airs, Bd. 2), 1858; Nr. 193, S. 87.
- Heymann (Legacy of the 1792 Belfast Harp Festival), 1992; S. 7 (erscheint als „Old Trugh“).
- O’Neill (Music of Ireland: 1850 Melodies), 1903; Nr. 123, S. 22.
Setting 1
General Collection of the Ancient Irish Music (Vol. 1) (1797), S. 7, № 11